Argumente zur Initiative

Argumentarium
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Die Umsetzung der Initiative ist keine Utopie, sondern auf vielen Höfen bereits Realität
Das Wissen, wie pestizidfrei und weitgehend antibiotikafrei Landwirtschaft betrieben werden kann und wie die Biodiversität erhalten bleibt, ist vorhanden und wird in der Schweiz von vielen Landwirtschaftsbetrieben schon heute erfolgreich praktiziert. Dieses Wissen wird durch die Initiative gefördert und weiterentwickelt, so dass es sich flächendeckend durchsetzen kann.

Die Initiative schützt und fördert die Gesundheit der Bevölkerung, weil sie Bauern, die umweltschonend produzieren, wirksamer unterstützt als heute. Die in der Landwirtschaft eingesetzten Hilfsstoffe wie Pestizide, Tierarzneimittel und überhöhte Dünger- und Futterimporte hinterlassen Umweltschäden, belasten unser Trinkwasser und gefährden unsere Gesundheit. Steuergelder, die wie von der Initiative gefordert in eine pestizidfreie, gesunde Produktion investiert werden, sind effizient eingesetzt, denn sie verhindern Folgeschäden und fördern die Gesundheit der Bevölkerung. Allein zwischen 2005 und 2017 sind in der Schweiz nicht weniger als 138 einst bewilligte Wirkstoffe vom Markt genommen worden. Bei einem Teil davon sind Gesundheits- oder Umweltschäden aufgetreten.

Antibiotika sind Heilmittel und sollen nur noch als solche eingesetzt werden
Ein Kalb, das bei seiner Mutter aufwachsen darf, hat die besten Bedingungen für ein gesundes Leben und braucht keine prophylaktische Antibiotikabehandlung. Landwirtschaftsbetriebe mit einem prophylaktischen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung sowie mit Produktionssystemen, bei denen regelmässig Antibiotika eingesetzt werden, werden nach Annahme der Initiative von Direktzahlungen ausgeschlossen. Wo Tiere artgerecht gehalten werden, müssen nachweislich weniger Antibiotika eingesetzt werden und ein vorbeugender Einsatz von Antibiotika wird unnötig. Indem Betriebe mit prophylaktischem Antibiotikaeinsatz von Direktzahlungen ausgeschlossen werden, werden tiergemässe Haltungsweisen indirekt und ohne aufwändige Verbote wirksam gefördert.

Die Initiative vermindert die Entstehung von antibiotikaresistenten Bakterien
Die Eidgenössische Fachkommission für biologische Sicherheit hat die antibiotikaresistenten Bakterien zur „grössten Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung in der Schweiz“ erklärt. Eine tiergerechte Haltung, welche den Antibiotikaeinsatz stark vermindert und die Entstehung resistenter Bakterien minimiert, hat damit einen direkten Zusammenhang mit der menschlichen Gesundheit. Hier setzt die Initiative an.

Situationen, in denen Antibiotika weiterhin eingesetzt werden dürfen
Betriebe, die weiterhin Direktzahlungen erhalten wollen, dürfen Antibiotika nur noch für therapeutische Zwecke einsetzen. Dies ist eine alte Forderung für eine nachhaltige Landwirtschaft, der mit der Initiative endlich zum Durchbruch verholfen werden kann.

Begriff «Produktionssystem»
Der Begriff Produktionssystem lehnt sich an Art. 75 des Landwirtschaftgesetzes (LwG) an. Er umfasst sowohl die Haltungsform wie auch die Haltungsbedingungen, aber auch das Betriebsmanagement, insbesondere das Herdenmanagement in Bezug auf Zukäufe, Transporte und Fütterung.

Begriff «Regelmässig»
Antibiotikagaben sind dann als regelmässig einzustufen, wenn sie immer wieder oder wesentlich öfter als die Norm im Zusammenhang mit einer bestimmten Betriebsmanagementaufgabe (z. B. bei jedem Einstallen von Tieren in einem Mastbetrieb) oder insgesamt wesentlich öfter als die Norm vergleichbarer Betriebe gemacht werden.

Produktionssystem, das einen regelmässigen Einsatz von Antibiotika nötig macht
Die Erkrankungshäufigkeit hängt in hohem Masse von den Haltungsbedingungen und dem Betriebs- und Herdenmanagement ab.
Beispielsweise schlechte Stallbedingungen, ungenügende Hygiene, Futterwechsel mit stressauslösenden Faktoren wie Transporten und die Zusammenstellung von neuen Herden mit Tieren unterschiedlicher Herkunft schwächen und überfordern die Immunabwehr der Tiere. Wenn der regelmässige Einsatz von Antibiotika bei erkrankten Tieren auf Mängel des Produktionssystems zurückzuführen sind, sollen keine Direktzahlungen mehr ausgerichtet werden.
Auch unter guten Haltungsbedingungen können Einzeltiere, Tiergruppen oder ein ganzer Bestand erkranken. Eine Behandlung im Einzelfall, auch mit Antibiotika, sofern es sich um eine bakteriell bedingte Erkrankung handelt, ist gerechtfertigt und wird durch Art. 5 Abs. 2 der Tierschutzverordnung (TSchV) auch eingefordert.

Die Initiative ist zukunftsorientiert, weil sie bereits heute existierende, aber infolge staatlicher Fehlanreize nicht konkurrenzfähige und deshalb viel zu wenig angewendete Techniken einer umweltschonenden Landwirtschaft endlich wirksam fördert. Davon profitieren das für uns alle lebenswichtige Trinkwasser, die Umwelt und die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft, deren Produkte sich damit in Bezug auf die Gesundheit und die naturnahe Produktion klar vom Ausland abheben.

Die Initiative unterstützt eine produzierende, marktorientierte Landwirtschaft, denn sie macht Schluss mit den Milliarden an jährlichen Subventionen, die bisher eine umweltschädliche Überproduktion mitfinanziert und mitverursacht haben und die den Markt so verzerrt, dass die von den Bauern erzielten Preise ständig abnehmen. Damit sich die Betriebe anpassen können, gewährt die Initiative eine lange Übergangsfrist von acht Jahren. Wir erachten den biologischen und biodynamischen Landbau als wegweisend.

Die Initiative ist zeitgemäss und wirtschaftlich, da sie für einen schnell wachsenden Markt optimale Voraussetzungen schafft. Die Nachfrage nach pestizidfreien, ökologisch produzierten Nahrungsmitteln ist allein seit 1990 in Europa um ca. 5000% gestiegen. Heute kann die Schweiz ihre Nachfrage nach Bioprodukten für die Bevölkerung aufgrund einer zu geringen Anzahl von Bioproduzenten gar nicht selber abdecken und ist auf Importe angewiesen.

Die Initiative fördert eine zukunftsorientierte Forschung, Beratung und Ausbildung
Ein Grossteil der staatlichen Forschungs- und Beratungsgelder wird heute dafür verwendet, die Schäden zu untersuchen, welche durch die in der Landwirtschaft eingesetzten Giftstoffe und den übermässigen Düngereinsatz entstehen. Dort, wo unhaltbare Probleme auftauchen, wird dann im Nachhinein untersucht und beraten, wie der Schaden begrenzt werden kann. Demgegenüber stellt der Bund heute praktisch keine Mittel zur Verfügung, um mittels Beratung und Forschung eine Landwirtschaft zu fördern, die gar nicht erst auf solche Giftstoffe angewiesen ist. Das ist nicht nur äusserst ineffizient. Die Schweizer Landwirtschaft vergibt sich damit auch eine grosse Chance am Markt. Denn die Nachfrage nach Lebensmitteln, die pestizid- und antibiotikafrei sowie umweltschonend hergestellt werden, steigt rasant.

Bei Annahme der Initiative wird der Staat verpflichtet, die landwirtschaftliche Forschung, Bera-tung und Ausbildung sowie Investitionshilfen gezielt auf eine Nahrungsmittelproduktion auszurichten, die zunehmend ohne Pestizide und prophylaktischen Antibiotikaeinsatz auskommt und effizient und nachhaltig aus eigenen Ressourcen produziert.

Pestizid ist nicht gleich Pflanzenschutzmittel
Die Initiative verwendet den Begriff „Pestizid“, siehe Pestizid-Reduktionsplan Schweiz, und nicht den in amtlichen Dokumenten oft verwendeten Begriff Pflanzenschutzmittel. Im Gegensatz zum Begriff Pflanzenschutzmittel schliesst der Begriff Pestizid nicht-toxische, für Mensch und Natur völlig unproblematische Substanzen aus.

Von der Initiative sind die Landwirtschaftsbetriebe betroffen, die chemisch-synthetische Pestizide einsetzen. Die auf der Betriebsmittelliste des Forschungsinstitutes für Biologischen Landbau (FiBL) gelisteten Pflanzenschutzmittel werden von der Initiative nicht tangiert. Die Initiative gewährt bei der Annahme der Initiative eine Übergangsfrist von 8 Jahren.

Laut dem FiBL und Vision Landwirtschaft, werden die natürlichen Pestizide, die auch auf der Blacklist von Greenpeace gelistet sind, (Kupfer, Pyrethrin, Spinosin und Paraffinöl) in den nächsten 10 – 20 Jahren ersetzt werden können, etwa durch resistente Sorten, eine verbesserte Anbautechnik oder auch durch einen Ersatz mit Substanzen, die für Mensch und Umwelt unproblematisch sind.

Die Initiative wird die Ablösung dieser Wirkstoffe signifikant unterstützen, da sie fordert, dass die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung sowie Investitionshilfen nur noch mit Bundesgeldern unterstützt werden, wenn sie einen Beitrag an eine pestizidfreie, konsequent nachhaltige Landwirtschaft, die aus eigenen Ressourcen produziert, leisten.

Allein zwischen 2005 und 2017 sind in der Schweiz nicht weniger als 138 einst bewilligte Wirkstoffe vom Markt genommen worden. Bei einem Teil davon sind Gesundheits- oder Umweltschäden aufgetreten.

Die Initiative fördert eine ökologische, energieeffiziente Kreislaufwirtschaft, indem Landwirtschaftsbetriebe, die sich am mittlerweile auf gigantische Ausmasse angestiegenen Futtermitteltourismus beteiligen, nicht mehr mit Direktzahlungen unterstützt werden. Weiterhin sollen und können Betriebe regional jedoch untereinander Futtermittel und Hofdünger austauschen bzw. gemeinsam nutzen sowie Betriebsgemeinschaften und Betriebszweiggemeinschaften bilden.

Düngen, aber mit Mass!
Gründüngung, Mist und Gülle sind natürliche Düngemittel. Sie sind die Voraussetzung für eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion, sofern sie nicht mit Antibiotika belastet sind oder im Übermass ausgebracht werden. Genau dieses Übermass von Gülle und Mist ist in der Schweizer Landwirtschaft als Folge staatlicher Förderungen zunehmend zum Problem geworden. Es sind die stark überhöhten Tierbestände, die unserem Land Gülleüberschüsse und rekordhohe Ammoniakemissionen bescheren, die Gewässer beeinträchtigen und zahlreiche weitere Umweltprobleme verursachen. Mit der Neuausrichtung der Subventionen werden nur noch Betriebe mit standortangepasstem Tierbestand gefördert, also Bauernhöfe, die Mass halten.

Die Initiative fördert die Ernährungssicherheit und verringert die Auslandsabhängigkeit der Schweizer Landwirtschaft
Ein schonender, ökologisch orientierter Anbau ist die beste Versicherung, um die Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten. Die gegenwärtig oft überintensive, einseitig auf Höchstleistung getrimmte Produktion schädigt dagegen die Böden, das Wasser und damit auch das Produktionspotenzial für Krisenzeiten. Zudem ist die Schweizer Landwirtschaft mittlerweile so stark von Betriebsmittelimporten wie Futtermittel, Pestizide, Dünger, Erdöl etc. aus dem Ausland abhängig, dass sie bei geschlossenen Grenzen kollabieren würde – das Gegenteil von Ernährungssicherheit.

Um eine Nahrungsmittelkalorie zu produzieren, importiert die Schweizer Landwirtschaft heute zwei Kalorien in Form von Erdöl aus dem Ausland. Auch beim Dünger, bei den Futtermitteln, Pestiziden oder den Tierarzneimitteln besteht heute eine enorme Abhängigkeit der Schweizer Nahrungsmittelproduktion vom Ausland. Eine Beschränkung der Direktzahlungen auf Betriebe mit einer ökologischen Produktionsweise ohne Pestizide und Futtermittelimport wird die Auslandabhängigkeit der Schweizer Landwirtschaft massiv reduzieren. Qualität wird wichtiger als Quantität, was der heute gängigen Überproduktion, bei der 30% der Nahrungsmittel zwischen Acker und Teller vernichtet werden, entgegenwirkt. Um die vergeudeten Kalorien zu produzieren, wären unter hiesigen Verhältnissen ungefähr 350‘000 Hektaren Ackerland erforderlich – das ist deutlich mehr, als bei uns an offener Ackerfläche überhaupt zur Verfügung steht.

Die Initiative fördert eine effiziente Nahrungsmittelproduktion
Ein anderes Beispiel für eine äusserst ineffiziente, stark vom Ausland abhängige Landwirtschaft ist die immer intensivere Milchproduktion mit immer mehr Kraftfuttereinsatz. Im Gegensatz zu Gras, welches die Kuh extrem effizient in Milch umsetzt, nutzt die Kuh beim Kraftfutter nur einen äusserst geringen Teil, um ihn in Milch und damit Nahrung umzusetzen. Allein mit dem Kraftfutter, das in der Schweiz den Milchkühen vorgesetzt wird, werden unter dem Strich jedes Jahr Nahrungsmittel für 2 Millionen Menschen vernichtet Dabei hätte die Schweiz optimale Voraussetzungen für eine kraftfutterfreie, graslandbasierte Milchproduktion und könnte ohne Kraftfutterimporte genug Milch für den inländischen Bedarf produzieren. Durch den Verzicht auf importiertes Kraftfutter, wie es gemäss Initiative in Zukunft Voraussetzung sein soll zum Erhalt von Direktzahlungen, könnte unter dem Strich also ein Viertel der Schweizer Bevölkerung zusätzlich ernährt werden.

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