Zu viel Gülle

50% des Schweizer Fleisch– und 70% der Schweizer Eierproduktion sind auslandabhängig.

In der Schweiz wird in vielen Re­gio­nen massiv mehr Gülle und Mist pro­du­ziert, als unsere Landwirt­schafts­flächen auf­neh­men können. Grund dafür sind die stark über­höhten Nutz­tier­bestände, deren Haltung nur durch enorme Futtermittelimporte (Soja, Getreide), überhaupt möglich sind. Seit 1996 ist die Einfuhr von 263’000 Tonnen Importfutter auf über 1.2 Millionen Tonnen gestiegen.

Um diese Mengen an Futtermitteln zu produzieren, beansprucht die Schweiz im Ausland eine Ackerfläche, die noch einmal so gross ist wie die gesamte inländische Ackerfläche. Unsere Landwirtschaft degeneriert so immer mehr zu einer bodenunabhängigen industriellen Tierproduktion mit hoher Auslandsabhängigkeit.

Importfutter aus gerodeten Urwäldern

Wir schrecken nicht davor zurück, Futtermittel aus Ländern zu importieren, wo für die Ackerflächen Urwälder gerodet wurden, obschon wir wissen, dass wir damit das Klima schädigen. Diese Wälder sind grosse CO2– und Wasserspeicher und Tresore der globalen Biodiversität.

Importfutter mit hohem Nährwert (kcal)

Das Importfutter enthält einen so hohen Nährwert, dass aktuell damit 50%  des Schweizer Fleisches und 70% der Schweizer Eier hergestellt werden. Durch dieses Importfutter entstehen enorme Düngerüberschüsse an Gülle- und Ammoniak.

50 %
Schweizer Fleisch wird mit importiertem Futter erzeugt
 
70 %
Schweizer Eier werden mit importiertem Futter erzeugt

Quelle: Agristat
 

Besonders problematische ist das Umweltgift Ammoniak, das beim Ausbringen der Gülle in die Luft entweicht. Die Schweiz verursacht nach den Niederlanden die höchsten Ammoniakemissionen Europas und verletzt dadurch das Schweizer Umweltschutzrecht und internationale Vereinbarungen. Rund 93 % der gesamtschweizerischen Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft. Der Anteil der Tierhaltung daran beträgt 93 %, der Anteil des Pflanzenbaus ca. 7 %. Von den gesamten atmosphärischen Stickstoff-Einträgen in der Schweiz verursacht die Landwirtschaft doppelt so viel (2/3) wie Verkehr, Industrie und Haushalte (1/3) zusammen.

Ammoniak ist ein stickstoffhaltiges Gas. Es führt zur Versauerung und Überdüngung von Böden, Wäldern und Gewässern, gefährdet die Biodiversität und schädigt das Klima. Es belastet zudem die menschlichen Lungen mit Feinstaub. Gemäss dem Umweltziel dürften die Ammoniakemissionen in der Schweiz 25’000 Tonnen pro Jahr nicht überschreiten. Die Emissionen stagnieren aber seit 20 Jahren bei etwa 47’000 Tonnen!

Diese Düngerüberschüsse führen bei vielen Grundwasservorkommen zu erhöhten Nitratkonzentrationen.

Je höher der Nitratwert im Trinkwasser, desto höher das Darmkrebsrisiko. Nitrat ist natürlicherweise nur in geringen Konzentrationen im Grundwasser vorhanden.

Deutlich erhöhte Konzentrationen von über 25 mg/l Nitrat treten im Grundwasser landesweit an bis zu 15% der beprobten Messstellen auf. In überwiegend ackerbaulich genutzten Gebieten liegen die Konzentrationen an 40% der Messstellen über diesem Wert. Trinkwasserfassungen müssen wegen überhöhter Nitratgrenzwerte geschlossen oder mit unbelastetem Wasser verdünnt werden.

Aufgrund der Belastungen durch zu viel Gülle müssen seit Jahrzehnten Baldegger-, Hallwiler-, Sempacher- und Greifensee künstlich belüftet werden.

Die Initiative fordert unter anderem, dass nur noch Betriebe Subventionen erhalten, die einen Tierbestand halten, der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann.

Sinn und Zweck dieser Regelung ist es, die Tierbestände auf eine bodenabhängige Produktion zu begrenzen, mit dem Ziel:

Reduktion der

  • hohen Nitratwerte in den Grundwasserfassungen;
  • Nitrat- und Phosphorzuführung in die Mittellandgewässer
  • Umweltprobleme in Gebieten des Kraftfutteranbaus (Regenwald),
  • der Versauerung und Überdüngung der Wälder, Moore, Naturschutzgebiete und Magerwiesen durch Ammoniak.

Regionaler Futteraustausch weiter möglich

Es ist nach dem Wortlaut des Initiativtextes mithin weiterhin möglich, Futtermittel regional zu verkaufen und zuzukaufen, denn:
«(…) ernährt werden kann» heisst nach allgemeinem Sprachgebrauch nämlich nicht, dass der Tierbestand mit dem auf dem eigenen Betrieb hergestellten Futter ernährt werden muss. Es heisst vielmehr, dass es für die Erfüllung der Anforderungen an den ökologischen Leistungsnachweis theoretisch möglich sein muss, den Tierbestand mit dem «eigens» produzierten Futter zu ernähren, das Futter für die Tiere also auf dem eigenen Betrieb herzustellen. Ansonsten hätte der Text «ernährt wird» heissen müssen. (Gutachten Bähr/Grosz, SFV & VSA, Rz 223, Seite 59).

Argumentarium

Quellen:
Gülle-Politik stinkt zum Himmel
Blosse Symptomtherapie gegen Düngerüberschuss wirkt nicht
Überfluss an Dünger führte zu dramatischem Insektensterben
Das Schweizer Grundwasser ist mit Pestiziden und Dünger belastet
Die Schweiz produziert zu viel schädliches Ammoniak
Landwirtschaft belastet das Trinkwasser
Der Weltklimarat fordert dringende Kehrtwende
Sonderbericht zum Klimawandel – So geht es nicht weiter
Übersäuerte Wälder und Moore – «Wir haben ein grosses Ammoniakproblem»
Bauern sollen für frischere Luft sorgen im Kanton Solothurn
Umweltschützer nehmen Gülle ins Visier
Hohe Tierdichte: Ammoniak-Emissionen belasten Umwelt massiv
Gras statt Kraftfutter
Bauernverband fordert Stopp – Kein Palmöl mehr für Schweizer Milchkühe
Zu viel Dünger im Trinkwasser
Mythos Ernährungssicherheit
Gigantische Umverteilung von Gülle und Mist
Folgeprobleme des hohen Tierbestandes
Gewässerschutz: Wohin mit all der Gülle?
Seebelüftung wegen Überdüngung
BAFU – Umwelt 3/16 Landwirtschaft
Die Suche nach der neuen Schweizer Kuh

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