Fragen und Antworten

Für die Schweizer Trinkwasserversorgung ist die Situation alarmierend, denn die naturnahe Trinkwassergewinnung, welche heute Standard ist und uns ermöglicht, 70 % des Schweizer Trinkwassers naturnah und ohne Aufbereitung zu gewinnen, ist akut bedroht durch:

  • den zu hohen Pestizideinsatz,
  • die zu hohen stickstoffhaltigen Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung als Folge rekordhoher Futtermittelimporte,
  • den gefährlichen vorbeugenden und regelmässigen Einsatz von Antibiotika in einer zu intensiven Tierhaltung
Bis zu 128 Pestizide wurden in unseren Fliessgewässern gemessen – zum Teil über dem Grenzwert von 0,1 μg / l. Jede fünfte Trink­wasser-Messstelle weist bereits einen Gehalt an Pestiziden und ihrer Abbauprodukte auf, der über dem Grenzwert liegt. In intensiv ackerbaulich genutzten Gebieten übersteigen die Konzentrationen diesen Grenzwert gar an 70 % der Messstellen.

Doch statt den Schutz der Gewässer und damit unser Gewässerschutzgesetz endlich durchzusetzen, will der Bund die Grenzwerte für die meisten Pestizide in den Oberflächenge­wässern erhöhen! Bei Glyphosat sollte der Grenzwert zuerst um das 3600-fache, von 0,1 Mikrogramm auf 360 Mikrogramm pro Liter erhöht werden. Nach neuesten Informationen der Rundschau soll der Grenzwert aktuell doch „nur“ um das 100-fache erhöht werden. So viel zur „Wissenschaftlichkeit“ der neuen Pestizidgrenzwerte. Welche Grenzwerte jetzt dann wirklich gelten werden, erfahren wir in den nächsten Monaten.

Zu viel Gülle und Ammoniak durch Importfutter

Die Schweiz importiert jährlich 1,2 Mio. Ton­nen Futter, um ihre überhöhten Nutztierbestände zu ernähren. 50 % des Schweizer Fleisches und 70 % der Schweizer Eier und Poulets werden mit diesem Importfutter her­gestellt. Das Importfutter führt zu hohen Nährstoffüber­schüssen in Form von Gülle und Ammoniak. Diese Nährstoffüberschüsse führen bei  vielen Trinkwasserfassungen zu überhöhten Nitratkonzentrationen. Nitrat gilt als krebserregend.

Die Schweiz verursacht durch ihre intensive Nutztierhaltung flächenbezogen die zweithöchsten Ammoniakemissionen Europas und verletzt das Schweizer Umweltschutzrecht ebenso wie internationale Vereinbarungen. Ammoniak ist ein stark stechend riechendes, farbloses, wasserlösliches und giftiges Gas.  2/3 der gesamten atmosphärischen Stickstoff-Einträge in der Schweiz stammen aus Ammoniakemissionen. 1/3 stammt aus Verkehr, Industrie und Haushalten. 95% dieser Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft – 90% davon aus der Nutztierhaltung Das stickstoffhaltige Gas Ammoniak führt zur Versauerung und Überdüngung von Gewässern, Böden und Wäldern. Es zerstört die Biodiversität, schädigt das Klima, belastet die menschlichen Lungen mit Feinstaub und führt bei vielen Trinkwasserfassungen zu überhöhten Nitratkonzentrationen. Nitrat gilt als krebserregend.

Antibiotika:

 Nebst dem Importfutter ist die intensive Nutztierhaltung in der Schweiz seit Jahrzehnten auch von Antibiotika abhängig. Etwa 17 Millionen Nutztiere leben permanent in der Schweiz. Die meisten Nutztiere werden in Tierfabriken gehalten. Ihnen werden Leistungen abverlangt, die ihrer Natur zuwiderlaufen. Ohne Antibiotika ist eine derart intensive Tierproduktion nicht möglich. 

Die tonnenweise eingesetzten Antibiotika gelangen via Gülle und Mist auf die Felder und von dort auch in den Was­ser­kreislauf und fördern die Entstehung von antibiotikaresistenten Bakterien. Die Eidgenössische Fach­kommis­sion für biologische Sicherheit hat diese Bakterien zur „grössten Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung in der Schweiz“ erklärt. Denn wenn immer weniger wirksame Antibiotika bereitstehen, können auch in der Humanmedizin keine schwerwiegenden Infektionen mehr behandelt, keine Transplantationen, Chemotherapien und chirurgischen Eingriffe mehr durchgeführt werden. Dies würde uns 100 Jahre zurückwerfen, in die Zeit, als Antibiotika noch nicht zur Verfügung standen. Diese Bakterien verbreiten sich über Gewässer, über die Nahrung, die Luft und auch über das Trinkwasser

Trotzdem dürfen Antibiotika in der Schweiz in der Nutztierhaltung weiterhin prophylaktisch eingesetzt werden, sogar Reserve-Antibiotika werden eingesetzt. Mehr dazu

Nein. Die Schweizer Landwirtschaft ist mittlerweile so stark von Betriebsmittelimporten wie Futtermittel, Pestiziden, Antibiotika, Erdöl etc. aus dem Ausland abhängig, dass sie bei geschlossenen Grenzen kollabieren würde – das Gegenteil von Ernährungssicherheit.

Um eine Nahrungsmittelkalorie zu produzieren, importiert die Schweizer Landwirtschaft heute zwei Kalorien! Eine konsequente Umlenkung der staatlichen Subventionen in eine pestizidfreie und Trinkwasser-freundliche Lebensmittelproduktion aus eigenen Ressourcen wird die Auslandabhängigkeit der Schweizer Landwirtschaft massiv reduzieren. Ein schonender, ökologisch orientierter Anbau ist die beste Versicherung, um die Fruchtbarkeit der Böden, die Biodiversität und die Wasserqualität zu erhalten und dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Die gegenwärtig oft überintensive, einseitig auf Höchstleistung getrimmte Produktion schädigt dagegen die Böden, das Wasser, die Biodiversität und das Klima und damit auch die Lebensmittelproduktion für die Zukunft. Die Initiative unterstützt die Wiederherstellung gesunder Böden mit hoher Resilienz und Wasserrückhaltekapazität, denn dies ist die Grundlage und die beste Versicherung für unsere Ernährungssicherheit.

Zudem könnten wir unsere Auslandab­hängigkeit schon heute stark verringern, wenn wir die unnötige Verschwendung von Lebensmitteln (30 – 50 %) stoppen. Mit weniger Food Waste kompensieren wir zugleich die möglichen Ernteausfälle, die sich bei der Umstellung auf einen pestizidfreien Anbau einstellen können.

Der geringere Ertrag bei der Umstellung auf eine pestizidfreie Produktion ist auch darin begründet, dass die ökologischen Produktionsweisen noch viel zu wenig erforscht worden sind. Mit verstärkten Forschungsinvestitionen in diesem Bereich werden auch im ökologischen Landbau Methoden und Massnahmen entwickelt, um die Erträge zu verbessern. Dies ist auch eine Forderung der Initiative!

Pestizid ist nicht gleich Pflanzenschutzmittel

Die Initiative verwendet den Begriff „Pestizid“ und nicht den in amtlichen Dokumenten oft verwendeten Begriff Pflanzenschutzmittel. Von der Initiative sind die chemisch-synthetischen Pestizide betroffen. Die auf der Betriebsmittelliste des Forschungsinstitutes für Biologischen Landbau (FiBL) gelisteten Pflanzenschutzmittel werden von der Initiative nicht tangiert.

Weil der Initiativtext entsprechend formuliert ist: «... Tierbestand, der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann», das heisst nach allgemeinem Sprachgebrauch nicht, dass der Tierbestand mit dem auf dem eigenen Betrieb hergestellten Futter ernährt werden muss, sondern, dass es – theoretisch – möglich sein muss, das Futter für die Tiere auf dem eigenen Betrieb herzustellen. Ansonsten hätte der Text «ernährt wird» heissen müssen. Es ist nach dem Wortlaut mithin weiterhin möglich, Futtermittel regional zu verkaufen und zuzukaufen.

Allein zwischen 2005 und 2017 sind in der Schweiz 138 einst bewilligte Wirkstoffe für Pestizide vom Markt genommen worden. Bei einem Teil davon sind Gesundheits- oder Umweltschäden aufgetreten, die jetzt von der Bevölkerung getragen werden.

Jüngstes Beispiel, das hoffentlich bald auf der Liste der zurückgezogenen Pestizide stehen wird: Insektizid Chlorpyrifos. Dieses wirkt sich negativ auf die Entwicklung des Gehirnes und die Intelligenz von Kindern und Ungeborenen aus und ist trotzdem schon seit 12 Jahren auf dem Markt in der Schweiz!

Ein weiteres Beispiel: Glyphosat ist weltweit hochumstritten und laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) «wahrscheinlich krebserregend». Eine neue Studie belegt: "Glyphosat stört die Darmflora von Honigbienen."  Monsanto hat Glyphosat in den 1970er-Jahren auch als Antibiotikum patentieren lassen. Glyphosat ist demnach als antibiotisch-wirksamer Stoff bekannt und wirkt nicht nur gegen Bakterien, sondern auch gegen Pilze. Die Biologin Brigitta Kurenbach von der Universität Canterbury in Neuseeland hat herausgefunden, dass Bakterien wegen Glyphosat Resistenzen gegenüber Antibiotika bilden können. Der Bundesrat prüft jetzt den  Verzicht auf Glyphosat.

Solche unhaltbaren Zustände wollen wir mit der Initiative beenden. Denn bereits seit Jahrzehnten produzieren Tausende von Bäuerinnen und Bauern im Einklang mit der Trinkwasserinitiative Lebensmittel – ohne giftige, chemisch-synthetische Pestizide – sie weisen uns die Zukunft.

Nicht die Produzentenpreise sind verantwort­lich für die hohen Lebensmittelpreise in der Schweiz, sondern die hohen Margen der Grossverteiler. Die Initiative hat keinen Einfluss auf diese Margen der Grossverteiler. Durch eine pestizidfreie Produktion werden die Lebensmittel gesün­der, nicht teurer.

Und müsste die konventionelle Landwirtschaft für die Folgeschäden ihrer Produktion aufkommen, die sich laut den Berechnungen von Avenir Suisse auf jährlich 7,9 Milliarden Franken belaufen, wären ihre Produkte weit teurer als nachhaltig erzeugte Lebensmittel.

Dies müsste der Bevölkerung aufgezeigt werden, statt mit steigenden Preisen zu drohen und dadurch die Entwicklung hin zu einer nachhaltigeren Lebensmittelproduktion zu erschweren oder ganz zu blockieren.

Die Initiative verbietet keine Produktionsformen. Sie bindet die Direktzahlungen an einen nachhaltigen ökologischen Leistungsausweis. Hinzu kommen neue Möglichkeiten und Perspektiven: Viele Bauern werden die Chancen ergreifen, sich mit Swissness-Produktion gegenüber Importprodukten abzugrenzen, was durch die Initiative begünstigt wird.

Die mit der Initiative angestrebten Veränderungen werden den Bäuerinnen und Bauern erlauben, die längst fällige Umstellung der Schweizer Landwirtschaft zu bewerkstelligen. Gleichzeitig verbessern sie damit qualitativ unser aller Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft und schützen diese auch langfristig. Auf dieser Grundlage werden uns gesunde, pestizidfreie Nahrungsmittel und sauberes Trinkwasser zur Verfügung stehen.

Die Initiative dürfte zudem den Wirtschaftsstandort Schweiz gleich in mehreren zukunftsträchtigen Wachstumsmärkten beflügeln. Gegenüber der internationalen Konkurrenz ergibt dies Vorteile und einen gewichtigen Wissensvorsprung. Denn die Initiative verpflichtet den Bund,

  • die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung sowie Investitions­hilfen gezielt auf eine Nahrungsmittelproduktion auszurichten, die zunehmend ohne Pestizide und prophylaktischen Antibiotikaeinsatz auskommt
  • Betriebe zu unterstützen, die effizient und nachhaltig aus eigenen Ressourcen produzieren
Dies führt zu mehr Forschung und Entwicklung Richtung umweltgerechter Produktion, Züchtung resistenter Sorten, Produktion hochwertiger und unbelasteter Lebensmittel, Imagegewinn für die Schweizer Landwirtschaft und den Wissenschaftsstandort Schweiz.

Schon heute erreicht die Landwirtschaft mit Milliarden an Subventionen ihre Umweltziele nicht und verstösst gegen geltende Gewässer- und Umweltschutzgesetze. Die bestehenden Gesetze müssen aber mit oder ohne Subventionszahlungen eingehalten werden. Die Landwirtschaft muss also schon allein von Gesetzes wegen umweltfreundlicher werden. Die dazu erarbeiteten Aktionspläne und Vorhaben des Bundes, beispielsweise der «Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz», die «Nationale Strategie Antibiotikaresistenzen» und der «Aktionsplan Biodiversität» betreffen alle Landwirtschaftsbetriebe, unabhängig davon, ob sie Direktzahlungen beziehen (wollen) oder nicht.

Im Vergleich zur europäischen Landwirtschaft, die weltweit bereits eine der intensivsten ist, weist die Schweizer Landwirtschaft schon heute eine enorm hohe Produktionsintensität auf. Eine zusätzliche Intensivierung (mehr Einsatz von Kraftfuttermitteln, Pestiziden, höherer Tierbesatz, prophylaktische Antibiotika etc.) wäre mit den bestehenden Umweltgesetzen nicht vereinbar.

Statt den Schutz der Gewässer und damit unser Gewässerschutzgesetz endlich durchzusetzen, will der Bund die Grenzwerte für die meisten Pestizide in den Oberflächenge­wässern noch erhöhen. Bei Glyphosat sollte der Grenzwert zuerst um das 3600-fache, von 0,1 Mikrogramm auf 360 Mikrogramm pro Liter erhöht werden. Nach neuesten Informationen der Rundschau soll der Grenzwert aktuell doch „nur“ um das 100-fache erhöht werden -so viel zur „Wissenschaftlichkeit“ der neuen Pestizidgrenzwerte. In diesem Jahr werden wir dann definitiv wissen, welcher Grenzwert  gelten wird.

Diese geplanten Grenzwerterhöhungen sind ein Freipass für die Landwirtschaft, noch mehr Pestizide einzusetzen und verletzen das Vorsorgeprinzip.

Im In- wie im Ausland können wir auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Bereits seit Jahrzehnten produzieren Tausende von Bäuerinnen und Bauern  im Einklang mit der Trinkwasserinitiative Lebensmittel – ohne giftige, chemisch-synthetische Pestizide einzusetzen. Mit der Ernährungssicherheitsinitiative des Bauernverbandes wurde 2017 in der Verfassung verankert, dass Handelsbeziehungen neu nachhaltig sein müssen. Mit dem Import nachhaltig produzierter Nahrungsmittel hat die Schweiz jetzt einen noch grösseren Einfluss darauf, wie im Ausland produziert wird. Damit kann sie weit über die Schweizer Grenze hinaus zu einem reduzierten Pestizideinsatz beitragen. Und der Handel sowie die Konsumenten hatten es schon immer in der Hand, auch bei den importierten Nahrungsmitteln dafür zu sorgen, dass diese aus einer nachhaltigen Produktion stammen.

Die Futtermittel-Eigenversorgung in der Schweiz scheint mit 85 % auf einem hohen Niveau zu sein. Diese Berechnung bezieht sich jedoch rein auf das Gewicht. Aussagekräftiger ist der Nährwert, denn die 15 % Importfutter (Soja und Getreide) haben so viel Nährwert, dass damit 50 % des Schweizer Fleisches und 70 % der Schweizer Eier hergestellt werden.

Aufgrund der Belastungen durch zu viel Gülle müssen der Baldegger-, der Hallwiler-, der Sempacher- und der Greifensee bereits seit Jahrzehnten mit Steuergeldern künstlich belüftet werden (Bericht Tagblatt).

Nein. Die Initiative fordert vielmehr, dass in der Nutztierhaltung Antibiotika nur noch bei tatsächlichem Auftreten einer Krankheit eingesetzt werden dürfen, statt wie bisher prophylaktisch und für alle Tiere gleichzeitig. Die Anpassungen, die es dafür in der Tierhaltung braucht, werden von zahlreichen Betrieben schon seit langem umgesetzt.

Der seit Jahrzehnten übermässige, insbesondere prophylaktische Einsatz von Antibiotika, fördert die Bildung von antibiotikaresistenten Bakterien. Diese Bakterien verbreiten sich über Gewässer, aber auch über die Nahrung, über das Trinkwasser und sogar über die Luft.

Die Eidgenössische Fachkommission für biologische Sicherheit erklärte 2014 antibiotikaresistente Bakterien zur "grössten Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung in der Schweiz". Wenn wir nichts unternehmen, drohen uns medizinische Zustände wie vor 100 Jahren, als das Penicillin noch nicht entdeckt worden war.

Nur wenn wirksame Antibiotika bereitstehen, können auch weiterhin schwerwiegende Infektionen behandelt, Chemotherapien, Transplantationen und andere chirurgische Eingriffe durchgeführt werden. Dazu leistet die Initiative einen wichtigen Beitrag.

Nein. Der prophylaktische Einsatz von Antibiotika ist weiterhin zulässig und wird auch weiterhin praktiziert. Neu gilt seit dem 01.04.2016 nur, dass Antibiotika für die Prophylaxe nur noch während 4 Monaten auf  Vorrat abgegeben werden dürfen (Art. 11 Tierarzneimittelverordnung).

Im Gegenteil: Die Initiative dürfte den Wirtschaftsstandort Schweiz gleich in mehreren zukunftsträchtigen Wachstumsmärkten beflügeln. Gegenüber der internationalen Konkurrenz ergibt dies Vorteile und einen gewichtigen Wissensvorsprung. Denn die Initiative verpflichtet den Bund,

  • die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung sowie Investitions­hilfen gezielt auf eine Nahrungsmittelproduktion auszurichten, die zunehmend ohne Pestizide und prophylaktischen Antibiotikaeinsatz auskommt
  • Betriebe zu unterstützen, die effizient und nachhaltig aus eigenen Ressourcen produzieren
Dies führt zu mehr Forschung und Entwicklung Richtung umweltgerechter Produktion, Züchtung resistenter Sorten, Produktion hochwertiger und unbelasteter Lebensmittel, Imagegewinn für die Schweizer Landwirtschaft und den Wissenschaftsstandort Schweiz.

Die grösste Menge an Pestiziden, nämlich 85 bis 90 Prozent versprühen die Landwirtinnen und Landwirte. Der Rest wird im Verkehrs- und Siedlungs­bereich eingesetzt. Diese werden vom Bund nicht subventioniert und sind darum nicht im Fokus der Initiative.

Im Moment bewegt sich auf politischer Ebene auch bezüglich des Privatgebrauchs von Pestiziden viel. Im März 2018 forderte die Nationalrätin Maya Graf in einer Motion, dass Privatgärtner keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel mehr verwenden dürfen. Es ist zu hoffen, dass das Parlament dieses Verbot umsetzt. Ebenfalls könnte der Handel schon heute sämtliche Pestizide freiwillig aus seinen Regalen verbannen.

Mit einer Initiative können wir leider nicht alle Probleme aus der Welt schaffen. Doch wir können mit unserer Initiative  dafür sorgen, dass die Milliarden an Subventionen nicht mehr in eine Lebensmittelproduktion investiert werden, die unser Wasser und Trinkwasser verschmutzt.

Mehr als 30‘000 Chemikalien, so schätzt das Bundesamt für Umwelt (Bafu), werden von Industrie und Gewerbe in der Landwirtschaft und in Konsumprodukten eingesetzt.

Wie viele chemische Stoffe heute in der Schweiz verwendet werden, weiss aber niemand. Viele dieser Stoffe finden sich nach der Anwendung als Mikroverunreinigungen in unseren Flüssen und Seen wieder. Der Bund hat 2016 Massnahmen ergriffen und rüstet die wichtigsten Kläranlagen um eine weitere Reinigungsstufe gegen Mikroverunreinigungen auf.

Die Landwirtschaft kann an keine Kläranlagen angeschlossen werden. Daher bleibt diese Milliardeninvestition wirkungslos gegenüber dem Pestizid-, Antibiotika- und Dünger-Einsatz in der Landwirtschaft. Ein Grund mehr, die Landwirtschaft in die Pflicht zu nehmen. Immerhin unterstützt der Steuerzahler die Landwirtschaft jedes Jahr mit dem riesigen Betrag von 3 Milliarden Franken.

Die SBB hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 auf den Einsatz von Glyphosat zu verzichten. Gemäss den Zahlen des Bundes beläuft sich die in der Schweiz verkaufte Menge Glyphosat 2016 auf 203.9 Tonnen. Die SBB verbraucht gemäss ihren Angaben jährlich ca. 2-3 Tonnen Glyphosat.

Ja. Sowohl Studien wie auch die Praxis zeigen, dass eine ökologische Landwirtschaft produktiv genug ist, um die Welt zu ernähren. Die Schweizer Landwirtschaft ist dagegen weit von diesem Ideal entfernt, obwohl per Verfassung eine umweltgerechte Landwirtschaft gefördert werden müsste. Dafür zahlen die Steuerzahler Milliarden jährlich. Es sind drei Hauptprobleme, bei denen die hiesige Landwirtschaft auch in internationalem Vergleich schlecht abschneidet:

Beim zu hohen Pestizideinsatz, bei den zu hohen Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung als Folge rekordhoher Futtermittelimporte, sowie beim Einsatz von Antibiotika in einer zu intensiven Tierhaltung. Alle drei Probleme beeinträchtigen direkt und indirekt das Trinkwasser. Zugleich beschädigen sie die Biodiversität, viele Ökosysteme, das Klima und unsere Gesundheit.

Zahlreiche schweizerische Landwirtschaftsbetriebe erbringen bereits heute tagtäglich den Beweis, dass eine nachhaltige Lebensmittelproduktion im Grossen und im Kleinen gut funktioniert. Die Umstellung auf ökologischen Landbau kann zu einem umfassend nachhaltigen Ernährungssystem führen, wenn sie mit weiteren Massnahmen kombiniert wird.

So gilt es, den hohen, stark umweltbelastenden Konsum tierischer Produkte auf ein umweltverträgliches Mass zu reduzieren und die gegenwärtig enorm hohen Nahrungsmittelverluste (food waste) stark zu reduzieren. In Kombination mit solchen Massnahmen kann eine umweltgerechte Landwirtschaft in der Schweiz die Auslandabhängigkeit weitgehend reduzieren und die Ernährungssicherheit wesentlich verbessern. Dies würde auch den heutigen Ernährungsempfehlungen des Bundes entsprechen und im Einklang mit der vom Volk mit fast 80% angenommenen Ernährungssicherheitsinitiative stehen.

Die heutige Schweizer Fleisch-, Milch- und Eierproduktion ist stark vom Ausland abhängig. Die Schweiz importiert jährlich 1,2 Mio. Tonnen Futter, um ihre überhöhten Nutztierbestände zu ernähren. 50 % des Schweizer Fleisches und 70 % der Schweizer Eier und Poulets werden mit diesem Importfutter hergestellt. Das meiste Importfutter stammt aus Südamerika. Um diese Mengen an Futtergetreide und Futtersoja  zu produzieren, braucht die Schweiz heute im Ausland Ackerflächen, die ebenso gross sind wie unsere Ackerflächen im Inland. Unsere Landwirtschaft degeneriert so immer mehr zu einer bodenunabhängigen, industriellen Tierproduktion. Aus diesem Importfutter entstehen hohen Nährstoffüberschüssen in Form von Gülle und Ammoniak. Diese Nährstoffe fehlen in den Futtermittelproduktionsländern und dadurch müssen dem Boden im Ausland grosse Mengen an Kunstdünger zugeführt werden, während wir in der Schweiz nicht wissen, wohin mit der Gülle.

Die Schweiz verursacht durch ihre überhöhten Nutztierbestände flächenbezogen die zweithöchsten Ammoniakemissionen Europas. Sie sind fast doppelt so hoch wie erlaubt: 48 000 Tonnen statt 25 000 Tonnen. Ammoniak versauert und überdüngt die Böden, Wälder und Gewässer. Es schädigt die Biodiversität sowie das Klima, belastet die menschlichen Lungen mit Feinstaub und führt im Trinkwasser zu überhöhten Nitratkonzentrationen. 95 % der gesamtschweizerischen Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft – 90 % davon aus der Nutztierhaltung.

Landwirtschaftsbetriebe sollen das Futter  für ihre Tiere wieder selber produzieren oder Futter und Hofdünger regional austauschen bzw. gemeinsam nutzen. Wenn das Tier dort lebt, wo sein Futter wächst, führt das zu geschlossenen Nährstoffkreisläufen. Wo Schweiz drauf steht, soll auch Schweiz drin sein. Zum Wohle von Mensch und Tier.

Die von Futtermittelimporten abhängigen Masttierfabriken verursachen immense Umwelt- und Gesundheitsschäden. Das grösste  Problem des überbordenden Futtermittelimportes der Schweizer Landwirtschaft liegt darin, dass die Tiere nicht mehr dort gehalten werden, wo ihr Futter wächst und deshalb die Nährstoffkreisläufe unterbrochen werden.

Das Importfutter führt in der Schweiz zu hohen Nährstoffüberschüssen in Form von Gülle und dem stickstoffhaltigen Gas-Ammoniak. Diese Nährstoffüberschüsse  fehlen in den Futtermittelproduktionsländern und dadurch müssen dem Boden im Ausland grosse Mengen an Kunstdünger zugeführt werden.

Das stickstoffhaltige Gas Ammoniak versauert und überdüngt die Böden, Wälder und Gewässer. Es schädigt die Biodiversität sowie das Klima, belastet die menschlichen Lungen mit Feinstaub und führt im Trinkwasser zu überhöhten Nitratkonzentrationen. 95% dieser Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft – 90 % davon aus der Tierhaltung. 1/3 der atmosphärischen Stickstoff-Einträge in der Schweiz stammt aus Verkehr, Industrie und Haushalten. 2/3 dieser Einträge stammen von Ammoniak-Emissionen!

Was können wir tun?

Fleisch und Eier dort zu produzieren, wo auch das Futter für die Tiere wächst, ist von der Natur vorgesehen! Wenn Fütterung und Düngung am selben Ort stattfinden, ist der natürliche Kreislauf wieder hergestellt. Dadurch und durch die Reduktion von Transporten können viele Umweltprobleme vermieden bzw. die Belastung reduziert werden. Der Aufwand für den Transport verringert sich wesentlich, denn z. B. um 1 kg Rindfleisch zu produzieren, braucht es 7 kg an Futter.

Die Schweiz kann zudem dafür sorgen, dass auch ausländische ProduzentInnen ähnlich hohe Produktionsstandards einhalten, wie in der Schweiz. Der Weg dahin ist schon längst geebnet:

  • Der Bundesrat kann schon heute aus Gründen des Tierschutzes die Ein-, Durch- und Ausfuhr von Tieren und Tierprodukten an Bedingungen knüpfen, einschränken oder verbieten (TSchG Art. 14).
  • Auch die vom Bauernverband lancierte und Volk angenommene Ernährungs­sicherheitsinitiative verlangt, dass „grenzüberschreitende Handelsbeziehungen zu einer nachhaltigen Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen sowie eine standortangepasste und ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion.» Verfassung
  • Die Migros hat ihrer Kundschaft das Versprechen abgegeben, dass ab 2020 nur noch tierische Produkte importiert werden, welche nach Schweizer Tierschutznormen produziert wurden. Und auch Coop setzt sich dafür ein, dass Importfleisch von Tieren stammt, deren Haltung mindestens der Schweizer Tierschutzgesetzgebung entspricht.
Die heutige Milch- und Fleischproduktion übersteigt die Kapazität unseres Planeten. Wir sollten unseren Konsum von tierischen Produkten anpassen. Diesbezüglich sind wir auf einem guten Weg, der Fleischkonsum sinkt!

Dies entspricht auch den Ernährungsempfehlungen des Bundes –  die beste Grundlage für unsere Gesundheit und Ernährungssicherheit, für das Klima, die Gewässer und die Umwelt.

Nein. Bereits seit Jahrzehnten produzieren Tausende von Bäuerinnen und Bauern im Einklang mit der Trinkwasserinitiative Lebensmittel – ohne giftige, chemisch-synthetische Pestizide einzusetzen.